Wer unseren Blog schon länger liest, weiß: Wir geben gerne praktische und konkrete Tipps, z. B. wie man sich auf eine Langzeitreise mit dem Camper vorbereitet. Welche Auslandskrankenversicherungen Sinn machen. Was wir für die Panamericana vorbereitet haben und vieles mehr.
Aber es gibt auch Dinge, die nicht in einen Packliste-Artikel passen. Es sind Erfahrungen und Gedanken, die uns nach der Panamericana gekommen sind und die wir gerne weitergeben möchten.
1. Auf das Bauchgefühl hören + ernst nehmen
Wir hatten auf der Reise eine für uns wichtige Regel: Sobald sich eine von uns unwohl fühlt und ein ungutes Bauchgefühl hat, fahren wir weiter.
Das galt für Stellplätze, aber auch für Routen etc.
Passt es für uns nicht, dann lassen wir das. Oder wir drehen wieder um.
Diese Regel klingt banal, hat uns aber in einigen Situationen wirklich (schnell) geholfen.
An einem unguten Gefühl gibt es nichts zu rütteln, es muss auch nicht rational sein. Das Gefühl ist ja einfach da. Manchmal ist es vielleicht berechtigt, manchmal vielleicht auch nicht. Aber das weiß man vorher eben nicht.
Mit diese Regel haben wir beschlossen, unser Bauchgefühl gegenseitig ernst zu nehmen und nicht zu sagen: “Ach, komm, hab dich nicht so”. Sondern: “Ok, alles klar, let’s go”.
Wir hatten beispielsweise eine solche Bauchgefühl-Situation in den USA: Wir waren auf der berühmten Route 66 unterwegs. Die Sonne war schon untergegangen. Wir hatten einen netten Spot abseits der Straße gefunden, zu Abend gegessen und es uns bereits gemütlich gemacht.
Dann hörten wir Schüsse.
Ja, huch. Nicht so schön in der Dunkelheit. Wir konnten nichts sehen. Schwer zu sagen, woher die Schüsse kommen, wem sie galten oder wer da draußen unterwegs ist. Vermutlich war eine Shooting Range in der Nähe. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt aber nicht sicher.
Anne fühlte sich unwohl. Schnurstracks haben wir alles zusammengeworfen, was uns während der Fahrt um die Ohren fliegen könnte und saßen 2 Minuten später im Schlafanzug im Fahrerhaus, um diesen Ort schnell zu verlassen.
Wir sind bis zur nächsten Stadt gefahren und haben dann bei einem Cracker Barrel (= Restaurant mit Stellplätzen für Camper) übernachtet. Da konnten wir (beide!) dann seelenruhig geschlafen.
Wir finden, man muss nicht auf “Teufel komm raus” irgendwas durchziehen. Es geht auch nicht darum, dass man der tougheste Overlander ist, die wildesten Geschichten hat oder die krassesten Strecken fährt. Die Reise ist ja kein Wettkampf und kein Vergleich.
Uns war auf der Reise wichtig, neue Perspektiven zu bekommen und eine gute Zeit zu haben. Und anschließend wollten wir mit einem guten Gefühl an die Reise zurückdenken können.
Das machen wir jetzt und können rückblickend sagen, unser Bauchgefühl hat uns in vielen Situationen geholfen.
2. Duschen ist doppelter Luxus – und manchmal abenteuerlich
Auf der Panamericana ging es in vielen Gesprächen mit anderen Reisenden zu Beginn um drei wesentliche Themen: Wo kommst du her? Wo geht’s hin? Und: Wo gibt es hier in der Nähe eine gute Dusche?
Falls beide Deutsche sind, kommt noch ein viertes Thema dazu: Wo gibt es gutes Brot?
Aber die Frage nach der Dusche ist ziemlich universal.
Ist ja auch klar: Wenn man mit einem 100 L Wassertank unterwegs ist, das als Trinkwasser dient, für die Dusche und für den Abwasch genutzt wird, dann reicht das nicht für längere Duschzeremonien.
Umso schöner ist es, wenn man unterwegs einmal eine längere heiße Dusche genießen kann. Die findet man bei Farmen, an Raststätten, auf Campingplätzen, in Fitnessstudios oder im Freien. Es ist erstaunlich, wo man überall Duschen finden kann.
Aber nicht alle Duschen sind auch .. Genuss. Manche sind eher aus der Kategorie “Augen zu und durch”
Unsere legendärste Dusche aus dieser Kategorie war im Yellowstone Nationalpark. Die Dusche war in eine kleinen Bude. In der Dusche stand man auf alten glitschigen Brettern, dazwischen lief das Wasser ab.
Die Dusche funktionierte wie eine Art Parkautomat: Es gab eine handgeschriebene Anleitung, die erklärte, wie viel Geld man für wie viel Duschzeit einwerfen muss. Es gab sogar eine Empfehlung für Männer und Frauen – falls man mit Conditioner duscht.
Aber wehe, du hast dich mit der Zeit vertan oder duschst zu langsam. Wenn das Geld verbraucht und die Duschzeit rum ist, dann zack-boom Wasser aus. Egal, ob du noch einshampooniert bist oder nicht. Dann musst du hoffen, dass du noch ein paar Münzen in deinem Geldbeutel findest, sonst war´s das mit dem Dusch-Spaß.
Seitdem haben wir jede weitere Dusche an dieser Yellowstone-Dusche gemessen und ein Ranking-System entwickelt:
- Bezahlung – Ist es eine Parkautomat-Dusche? Oder zahlt man pauschal und duscht einfach, bis man fertig ist
- Wasserstrahl – von ‚Rinnsal‘ bis ‚Hochdruckkärcher‘
- Temperatur – ist es warm? Wird die Dusche plötzlich eiskalt? Alles schon erlebt ..
- Gibt es irgendeine Ablagemöglichkeiten für die Klamotten?
Da es meistens keine Ablagemöglichkeiten in den Duschen gab, haben wir irgendwann selbst einen Haken mitgenommen, in Kombi mit einem Surfponcho hat das meistens ganz gut funktioniert.
Wir wollten eigentlich eine Foto-Serie daraus machen, ‚Places I’ve Showered‘. Letztendlich haben wir aber nur ein paar Duschen fotografiert. Es wäre aber eine schöne Serie mit abenteuerlichen Duschen geworden.
Wir haben auch viele gute Duschen erlebt und uns sehr darüber gefreut. Und Duschen war oft der einzige Moment am Tag, in dem man wirklich alleine war.
Deshalb finden wir, eine gute Dusche ist doppelter Luxus!
3. Deine Reise – dein Stil
Vor der Reise haben wir uns viele Gedanken gemacht, welches Fahrzeug wir für die Panamericana nehmen. Rückblickend war unsere Wahl mit Mercedes Sprinter auch richtig gut für uns.
Es gibt aber auch viele andere Fahrzeuge, die auf der Panamericana unterwegs sind: Wir haben Menschen getroffen, die mit dem Expeditionsmobil unterwegs sind.
Andere mit einem russischen Buchanka oder mit dem Motorrad, andere reisen mit dem Fahrrad.
Es gibt Reisenende, die fahren die Panamericana in einem Stück. Wir sind einen Teil der Panamericana gefahren und waren zwischendurch einmal zu Hause, um unsere Familien zu sehen. Berta haben wir in der Zwischenzeit in Mexiko untergestellt.
In Mexiko haben wir zwei Motorradfahrer getroffen, die fest angestellt sind und jedes Jahr einen Teil ihres Jahresurlaubs nutzen, um ein weiteres Stück der Panamericana zu fahren. Ihre Motorräder stellen sie dann immer vor Ort unter, bis sie im nächsten Jahr weiter fahren.
Unterwegs haben wir zwei Reisende kennengelernt, die waren Mitte 80 und sind schon viele Jahre auf der Panamericana unterwegs. Genauso gibt es Familien mit Kleinkindern, Alleinreisende und Paare in allen Altersklassen auf der Panamericana.
Also: Es gibt so viele verschiedene Reiseentwürfe.
Das gleiche gilt auch für die Route: Gute Freunde von uns haben in Mexiko gemerkt, dass Zentralamerika einfach nichts für sie ist.
Also sind sie wieder umgedreht und zurück in die USA gefahren. Das war genau die richtige Entscheidung für sie. Die beiden hatten dann wieder eine super Zeit in den Staaten.
Es ist alles möglich und du kannst die Panamericana in deinem Stil fahren – wie es für dich passt.
4. Zusammen ist alles toller
Am Anfang unserer Reise dachten wir, wir lassen in Deutschland unser ganzes Sicherheitsnetz zurück und sind dann erst einmal allein unterwegs. Das stimmt auch ein Stück weit.
Was wir unterwegs dann aber gemerkt haben: Es entstehen neue Verbindungen mit Locals und Freundschaften mit anderen Reisenden.
Menschen, die einige Kilometer vor dir fahren. Oder ein Stück hinter dir sind. Und irgendwann trifft man sich und tauscht sich aus. Über Erlebnisse. Über Strecken. Über Reparaturen. Über Duschen und eben über gutes Brot 😉
Die Reisebubble ist voller toller Menschen. Wir hatten mehrmals das Gefühl, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.
Wir haben gute Freunde in Kanada kennengelernt und waren später mit ihnen zwei Monate auf der Baja California unterwegs. Wie eine rollende WG. Jeder mit seinem eigenen Fahrzeug. Und trotzdem ein gemeinsamer Alltag mit gemeinsam kochen, planen, am Camper schrauben.
Auch in Zentralamerika haben wir einige Wochen mit guten Freunden verbracht und sind gemeinsam durch drei Länder gefahren.
Irgendwann fährt dann jeder wieder seiner Wege, bis man sich wieder trifft – irgendwo auf der Panamericana.
Wir fanden es total schön zu wissen, dass wir Freunde haben, die nicht weit weg sind – also immerhin auf dem gleichen Kontinent 😉
Einfach schön, dass uns die Reise diese Freundschaften geschenkt hat!
Würden wir die Panamericana wieder fahren?
Kurz gesagt: Ja. Ohne Zögern.
Diese Reise war bisher eine der intensivsten Erfahrungen unseres Lebens. Die Tage waren so voll. Die Erlebnisse so schön. Kein Alltagstrott. Wenn wir zurückdenken, hatten wir auf der Reise nie das Gefühl, dass das Leben einfach so dahinfließt.
Jeden Tag passierte etwas. Manchmal Großes. Manchmal Kleines.
Die Reise hat uns verändert. Wie wir reisen. Wie wir denken. Wie wir auf die Welt schauen…
Und weil wir viele Erfahrungen gesammelt haben, die wir selbst gerne vor der Reise gewusst hätten, haben wir eine Panamericana-Newsletter-Serie gestartet. Jeden Sonntag um 11 Uhr schicken wir einen Newsletter mit Tipps und Erfahrungen zur Vorbereitung auf die Panamericana.
Wenn du Lust bekommen hast, die Panamericana oder eine andere Route mit dem Camper einmal selbst zu fahren, dann melde dich gerne zu unserem Newsletter an!
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